Warum Schweizer Bands aussterben – und wir sie brauchen
Der leise Tod der Proberäume Es ist eine provokante These, aber wer die Augen öffnet, sieht es: Die klassische Band – vier Freunde, die sich im Keller treffen, Songs schreiben und sich die Finger wund spielen – wird zur bedrohten Spezies. Clubs schliessen oder buchen nur noch DJs. Proberäume in Städten weichen Luxussanierungen. Die Schweizer Musikszene wandelt sich rasant, und nicht nur zum Guten. Ökonomie gegen Kreativität Das Band-Sterben hat harte ökonomische Gründe. Einen DJ zu buchen, ist für einen Clubbetreiber billiger und risikoärmer als eine fünfköpfige Band, die Gage, Catering, Hotelzimmer und einen Soundtechniker braucht. In einer Zeit, in der die Gastronomie unter Druck steht, wird oft der Weg des geringsten Widerstands gewählt. Gleichzeitig hat die Technik das Musikmachen individualisiert. Ein Bedroom Producer kann heute am Laptop im Alleingang Hits produzieren, die klingen wie ein ganzes Orchester. Das ist grossartig demokratisch, führt aber zur Vereinzelung. Die soziale Reibung, das demokratische Aushandeln eines Songs im Proberaum, fällt weg. Warum Live-Musik unverzichtbar ist Ist das schlimm? Ja, wir glauben schon. Denn eine Band ist ein soziales Labor. Die Energie, die entsteht, wenn Menschen gemeinsam in Echtzeit Musik erschaffen, ist durch keinen Algorithmus zu ersetzen. Das Unperfekte, der Schweiss, das physische Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug – das ist Magie, die man im Publikum spüren kann. Wenn kleine Clubs sterben, fehlt zudem der Nährboden für den Nachwuchs. Wo sollen die Headliner der Zukunft ihre Erfahrungen sammeln, wenn es keine Orte mehr gibt, an denen man scheitern darf? Keine Band füllt beim ersten Konzert das Stadion. Es braucht die Ochsentour durch die kleinen Bars. Ein Plädoyer für den Krach Wir brauchen wieder mehr Mut in der Szene. Veranstalter sollten dem Nachwuchs Slots geben und faire Gagen zahlen, auch wenn es ein Risiko ist. Orientieren sie sich dabei an den Richtlinien von SONART. Das Publikum muss hingehen. Gehen Sie nicht nur zu den Weltstars ins Stadion. Gehen Sie am Freitagabend in den lokalen Club, zahlen Sie die 20 Franken Eintritt für die unbekannte Band aus Luzern oder Bern. Kaufen Sie ein T-Shirt, denn Streaming bringt den Künstlern kaum Einnahmen. Und an die Musiker: Gründet Bands! Trotz allem. Sucht euch Mitstreiter auf instrumentum.ch. Nichts schweisst mehr zusammen als der gemeinsame Lärm in einem engen Keller. Fazit Eine Kultur ohne lokale Live-Bands wird stumm und glatt. Lassen wir das nicht zu. Unterstützen Sie Ihre lokale Szene, damit die Schweiz auch in zehn Jahren noch klingt und nicht nur streamt.